Vergangenheitsarbeit und Friedens- konsolidierung im westlichen Balkan
Interaktion von internationalen und lokalen Initiativen für Aufarbeitung und Aussöhnung in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien
Das Projekt untersucht Initiativen für Aufarbeitung und Aussöhnung, die in Reaktion auf die Kriege der frühen neunziger Jahre im ehemaligen Jugoslawien ergriffen wurden. Die Notwendigkeit der juristischen Aufarbeitung wurde zunächst vor allem von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union betont und mit der Einrichtung des International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia (ICTY) in Den Haag 1993 von außen an die Gesellschaften der Region herangetragen. Von diesen Akteuren wurde auch der Aufbau von Strafkammern in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien unterstützt. Maßnahmen zur Reform von Polizeiapparaten, zur Flüchtlingsrückkehr und zur Klärung von Eigentumsrechten und Kompensationen wurden ebenfalls durch internationale Experten begleitet. Internationale Organisationen und bilaterale Geldgeber, darunter Ministerien, Stiftungen, Menschenrechtsorganisationen, friedens- und entwicklungspolitische Einrichtungen haben darüber hinaus Maßnahmen gefördert, die Prozesse der gesellschaftlichen Aufarbeitung anregen sollen.
Mit dem Auslaufen des Mandats des Haager Tribunals stehen die Gesellschaften in der Region vor der Herausforderung, Prozesse der Aufarbeitung eigenständig zu gestalten. Das Forschungsvorhaben nimmt diese Umbruchphase zum Anlass, bisherige Ansätze zur Aufarbeitung von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien rückblickend zu bewerten, aktuelle Trends genauer in den Blick zu nehmen und zu fragen: Wie bereiten sich internationale und lokale Akteure auf die neue Situation vor? Welche Vorschläge existieren in den drei Ländern für den Umgang mit Vergangenheit? Das Projekt untersucht die Interaktion unterschiedlicher Akteursebenen. Es nimmt zunächst die Aktivitäten der „Protagonisten“ von Transitional Justice, der internationalen Akteure und lokalen Friedens- und Menschenrechtsorganisationen in den Blick, um sie im Hinblick auf ihre Kohärenz und ihre Implikationen für Friedensförderung und Konflikttransformation zu untersuchen. Das Projekt will außerdem über Kooperationsformen und Lernprozesse Aufschluss gewinnen. Es will Synergien, Dilemmata und Zielkonflikte identifizieren, die sich im praktischen Zusammenwirken von Friedens- und Menschenrechtsarbeit ergeben, und es fragt nach der Reichweite, der gesellschaftlichen und politischen Verankerung der Aktivitäten. Vertreter politischer Parteien sowie der Strafkammern für Kriegsverbrechen bei den lokalen Gerichten werden daher ebenfalls zu ihren Einschätzungen befragt.
Das Projekt wird von der Deutschen Stiftung Friedensforschung gefördert.
Beginn: 1. März 2010 bis 29. Februar 2012
Kontakt: .(JavaScript must be enabled to view this email address) (Projektleitung); .(JavaScript must be enabled to view this email address) (wiss. Mitarbeiterin)
Lokale Partner/MitarbeiterInnen: Dr. Ismet Sejfija (University of Sarajevo), Prof. Dr. Vesna Nikolic-Ristanovic (Director Victimology Society of Serbia, Belgrade), Katarina Milicevic (Center for Nonviolent Action, Belgrade), Srdjan Dvornik, M.A.Soc. (Researcher, Zagreb)